Schattenrisse – Seelenbilder
Schwarzes Profil auf hellem Grund: reduziert, konturiert, scheinbar schlicht und doch von großer Ausdruckskraft. Scherenschnitte des 18. Jahrhunderts bewahren Gesichter - als Spiegel von Beziehungen, Idealisierungen und gesellschaftlichen Vorstellungen.
Der Scherenschnitt ist dabei nicht nur Porträt- und Dokumentationsform von Personen, sondern auch soziale Praxis. Als mobile, preisgünstige und zugleich hochsymbolische Bildtechnik ist er Ausdruck empfindsamer Freundschaftskonzepte und bürgerlicher Selbstvergewisserung. Die Silhouette entsteht im Augenblick der Begegnung, zirkuliert in Stammbüchern und Nachlässen, wird aufbewahrt, eingeklebt – und prägt so Formen regionaler Traditionsbildung.
Als "Profile der Freundschaft" sind Scherenschnitte Dokument und Inszenierung zugleich. Sie sind stille, aber eindringliche Zeugnisse der Bildpraxis des 18. Jahrhunderts.
Mein aktueller Beitrag zu diesem Thema entsteht im Rahmen des Jubiläumsprojekts des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins zum Thema "Bilder und ihr Quellenwert".
Das Meer – Raum, Grenze, Mythos
Briefe sind Übergänge – zwischen Menschen, Zeiten, Räumen. Sie sind Zeugnisse gelebten Lebens, bewahrte Stimmen, geronnene Momente.
Ich forsche zu Briefen und Nachlässen als Quellen persönlicher und kultureller Geschichte: Was bedeutet Schriftlichkeit? Welche Spuren hinterlässt sie?
Der Brief ist zugleich Kommunikation und Selbstentwurf, Dialog und Dokument, ein Ort der Nähe und der Distanz. Nachlässe wiederum sind Erbe und Verantwortung: Sie verlangen Sorgfalt, Kontextualisierung, Respekt.
In meiner Arbeit verbinde ich historische Forschung mit editorischer Präzision und literaturwissenschaftlicher Sensibilität – immer mit dem Ziel, verlorene Stimmen hörbar und vergessene Geschichten wieder lesbar zu machen.